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Tagebucheintrag 24.04.2013

8.4.2013 Storchzeit: Eierlegen, Brüten

Keine Sorge, die Mama hat ihren Kopf da mühelos wieder raus bekommen.  Foto: Sophie Humpert
Keine Sorge, die Mama hat ihren Kopf da mühelos wieder raus bekommen. Foto: Sophie Humpert

Am Montag um 13:00 Uhr kam das zweite Lamm auf die Welt. Ich durfte es in den Stall tragen, in der Hoffnung, dass die Mutter ihm folgen würde. Die Mutterschafe werden mit ihren Lämmern in den Stall gesperrt, damit sie sich an einander gewöhnen und die Lämmer in Ruhe die Zitzen finden können. Leider hatte dieses Lamm damit so seine Schwierigkeiten, und als ich beim Abenddienst noch mal bei den beiden vorbeischaute, hatte es den Weg zur Milchbar immer noch nicht gefunden.

Ratlos und besorgt schaute ich zu, wie es am Holzzaun nuckeln wollte. Was konnte ich tun? Ich konnte hoffen, dass es den Weg noch finden würde – sehr unsicher, da die erste Milch sehr wichtig ist und das Lamm schon etwas geschwächt war.

Ich konnte Familie Kaatz zur Hilfe hohlen, was aber eigentlich auch nur auf die dritte Möglichkeit hinaus laufen würde: Das Lamm musste an die Zitze angesetzt werden.

Zunächst versuchte ich, die Mutter an einem Horn festzuhalten und mit der anderen Hand das Kleine zu führen. Das funktionierte nicht, weil die Heidschnucke sich wehrte und das Lamm auch wenig kooperativ war. Also holte ich mir aus der Werkstat ein Seil und knotete daraus ein Halfter, mit dem ich das Mutterschaf an den Zaun binden konnte. Nun hatte ich beide Hände frei, um das Baby anzudocken.

Eine Maus hüpfte aus dem Stroh über mein Bein, gut dass ich nicht geschrien habe, das hätte sicher die Schafe erschreckt.

Das Lamm war so schwach, dass ihm die Beine nachgaben. Erfolgreich war ich erst, als ich mir das Tier zwischen die Knie klemmte, mit der einen Hand die Zitze fest hielt und mit der anderen das Mäulchen öffnete. Selten habe ich ein schöneres Geräusch gehört als das erste glückliche Schmatzen nachdem es zu saugen begonnen hatte.

Die gesamte Prozedur wiederholte ich nachts um 11 Uhr - da stand das Lamm schon auf, als es mich sah. Das Euter der Mutter war heiß und sie schien Schmerzen zu haben, als das Lamm trank. Von einem Milchstau war sie nicht mehr weit entfernt. So beruhigend wie möglich sprach ich auf sie ein, versuchte sie zu trösten. Drei Stunden später, 2 Uhr nachts, war das Schlimmste überstanden. Das Euter hatte wieder normale Temperatur und das Lamm fand es fast von allein.

Am nächsten morgen bat mich Frau Kaatz, die Heidschnucke in eine Ecke zu schieben, damit sie die Zitzen untersuchen konnte. Ohne zu zögern kletterte ich zu Mutter und Kind hinein. Das wurde von Frau Kaatz mit einem fröhlichen „Die akzeptiert Sie“ kommentiert. Mit dem Gesäuge war wieder alles gut und ich war ein bisschen stolz.

„Die akzeptiert Sie“ - wie recht Frau Kaatz hatte, wurde mir später klar. Damit das Lamm es einfacher hatte, wollte ich das Fell des Mutterschafes noch zurück schneiden. Als ich mit der Schere in die Box zu ihnen kletterte, blieben die beiden Fluchttiere ruhig liegen und die Mutter ließ mich in aller Ruhe ihr Fell schneiden. Sie hatte wohl verstanden, dass ich ihnen geholfen hatte. Dafür hatte sich die Nachtschicht gelohnt. Und als die beiden am nächsten Tag zu den anderen auf die Wiese durften, kamen mir fast die Tränen.

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