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Doppelte Rettung in Belkau oder "Ali im Glück"

Zwei Jungstörche und Bindegarn im Horst von Belkau

Man kann es eigentlich nicht als Zufall betrachten,
dass diesem kleinen Storch geholfen werden konnte.
Die Familie hat den ihren Storchenhorst mit einer Kamera ausgestattet,
aus Interesse und Storchenliebe. 

So kam es, dass Herr Vohse, als "Oberstorchengucker"  das Bindegarn im Horst entdeckte und
erkannte, dass es einem der Jungen nicht gut ging. Die zur Hilfe
gerufene Feuerwehr Bismark rückte an und holte den Storch aus dem Nest. 

Das mit Bindegarn durchzogene Gewölle
Das steckte im Hals des Kleinen, mit Bindegarn durchzogen

Abgesehen von der Bindegarnumschlingung um seinen Fuß hatte der junge Storch auch Bindegarn verschluckt, dass sich mit Nahrungsresten verbunden hatte und verklumpt war. Wenn er es nicht geschafft hätte, das Gewölle loszuwerden, wäre er jämmerlich verhungert. So konnte der Klumpen aus seinem Hals entfernt werden.

Nach dieser Erstversorgung mit Entfernung der Umschlingung und des Gewölles wurde der Storch zurück zu seinen drei Geschwistern in das Nest gesetzt. Die Eltern fütterten alle vier  Störche wie gewohnt weiter und die jungen Störche wuchsen weiter heran. 

Mann kann beinahe sogar von Glück reden, wenn man sagt, dass nur einer der vier Jungen betroffen war.

Vier Wochen später bemerkte Herr Vohse abermals, dass mit dem Storch doch nicht alles in Ordnung war. Sein Fuß sah seltsam verformt aus und er hatte erneut Fäden um den Fuß.

Vielleicht waren durch die erneute Bindegarnumschlingung Sehnen geschädigt, so dass der Vogel den Fuß nicht richtig belasten konnte bzw. dieser sich verformte. Also rückte ein privat organisierter Hubsteiger an.  Frau Vohse setzte alle bürokratischen Hebel in Bewegung.

Diesmal entschied man, den Storch nicht wieder in den Horst zurück zu setzen, sondern einen Tierarzt aufzusuchen. Familie Vohse hat Erfahrung und die Genehmigung, sich auch um junge Störche zu kümmern. Mit behördlicher Erlaubnis und Antibiotika pflegten sie den Adebar bis Anfang Juli. Damit der Storch aber artgerecht aufwachsen kann, gab man ihn am 06.07.2019 nach Stendal in den Tierpark. Dieser übergab uns das junge Tier dann Ende Juli in der Hoffnung, dass wir und Dr. Mensing ihm besser helfen können. 

Es bot sich ein trauriger Anblick, als Ali 3 bei uns aufgenommen wurde. Unser Tierarzt Dr. Mensing entschied, dass dem Storch nur die Zehen abgenommen werden und dass der Stumpf künftig sein Fuß wird. Das Bein solle auf keinen Fall gekürzt werden, so dass das Gleichgewicht erhalten bleibt. Die OP verlief gut, die Wunde heilte schnell. 

Ali lernte das Laufen neu und vor allem gut. Man merkte ihm gerade einmal ein kleines Humpeln an, das wirklich unerheblich ist.

 

Ali nach der OP in der Voliere
Ali nach der OP in der Voliere unmittelbar vor der Auswilderung

Seine Genesung verlief so komplikationslos, dass er am 24.08.2019 im Beisein seiner Retterin und der Familie wieder in die Freiheit entlassen werden konnte. Ja, er war sogar der erste Storch von den 5 ausgewilderten, der sich ein Stück weit in die Lüfte erhob und auch wieder sicher auf beiden Beinen landete. Das war gut an dem Stumpf aus der Entfernung zu erkennen, dass er es war. 

Aufgrund der Wiedererkennbarkeit wurde er auch mit einem Ring versehen. Sicher wäre er auch am Stumpf erkennbar, aber das hätte möglicherweise auch zur Folge, dass besorgte Storchenfreunde anrufen und auf einen möglicherweise verletzten Storch anzeigen. Nun können wir fragen, trägt er am anderen Bein einen silbernen Ring? Ja?, dann ist es Ali, den haben wir behandelt. Wenn er sich selbst versorgen, fliegen  und keine anderen Auffälligkeiten zeigt, kann er auch in freier Wildbahn noch viele Jahre leben.

Die Eltern und die drei Geschwister von "unserem" Ali 3 verließen ihren Horst gesund und fit bereits Anfang August. 

An dieser Stelle danken wir allen Beteiligten:

der Familie Vohse in Belkau,

der Freiwilligen Feuerwehr Bismark

dem Tiergarten Stendal

Dr.Mensing

und unserem Pflegepersonal

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